The History Of The Saints Jazz Band

1952 - 2016

 

Sie trugen keine Heiligenscheine, jene jungen jazz-begeisterten Leute, die 1952 ihre eigene Jazzband gründeten, sie nannten sie nur so: “The Saints”. Einer der Gründer und erster Bandlaeder, René Borel, der die Klarinette und das Saxaphon blies, führte die Band, die mehrere Male infolge der häufigen “Personalwechsel” dem Untergang geweiht schien, durch die ersten zehn wilden Jahre. Es wurde unter wechselnden Besetzungen häufig geprobt und selbstverständlich die jährliche Teilnahme am legendären Zürcher Amateur-Jazzfestival im damaligen Kino Urban erstritten und erspielt, wobei einige recht gute Plazierungen heraussschauten. Natürlich gab es auch andere Höhepunkte, etwa der Auftritt an der Télévision Monte Carlo in Monaco im Jahre 1956.


1962 erhielt die Band mit dem Eintritt von Romeo Borbach, der im Jahre darauf, als René Borel mit seinen Bläserkollegen ausstieg, die Führung übernahm, eine personelle Stabilität, die mit wenigen Ausnahmen bis anfangs der Achtzigerjahre anhielt: Otto Andrae blies die Trompete, Jürg Maurer die Klarinette, während die Posaune von Tommy Graf an Kurt Aeschbacher und 1975 schliesslich an Hans Werffeli weitergegeben wurde. Interessanterweise war in der Rhythmusgruppe neben Romeo Borbach am Piano, Albert “Güggel” Leemann am Kontrabass und René Grimm am Schlagzeug, der 1967 durch Jack Huber abgelöst wurde, in Jürg Völlmin auch ein Gitarrist zu finden, der die Band so richtig zum Swingen brachte. Leider verstarb er 1973 viel zu jung nach schwerer Krankheit, sodass “The Saints”, geschockt durch den Tod ihres Freundes, fortan ohne Rhythmusgitarristen weiterspielten. Jedenfalls dauerten spätere Versuche in dieser Richtung nicht lange.


In diesen zwanzig Jahren von 1962 bis 1982 spielten “The Saints” ihren Jazz quer durch die Deutschschweiz, von Bischofszell bis Fribourg, von Basel über Schaffhausen bis ins Säuliamt. Sie swingten in Jazzclubs, in Schulen und Kirchen, an Hochzeiten, Geburtstags- und Firmenfesten. Sie weihten Tunnels in Zumikon ein und liessen sich am 1. August im “Park im Grüene” die Chlöpfer und Raketen um Instrumente und Ohren sausen. Sie jazzten mit den Zürcher Zünften durch Tag und Nacht, organisierten ihre eigenen Plauschfeste für ihre Fans im “Hinteren Sternen”, auf dem “Vorderen Pfannenstil”, und später - es war die Idee von Jack Huber - als “Zürcher Chlaus Jazz-Feste” in der “Kaufleuten” und der “Commihalle”. Regelmässig waren sie an den Jazz-abenden in der Freizeitanlage “Bachwiesen” Zürich, ihrem langjährigen Probeort, aber auch während fünf Jahren an den Mittwoch-Jazz-Konzerten im renommierten “Blackout”, Airport Zürich zu hören. Höhepunkte bildeten für sie die Auftritte mit Champion Jack Dupree, Bill Ramsey und Anne Morré, ihre Konzerte in der Manege des Circus Knie anlässlich des Zoo-Apéros, im Hotel Zürich, im Fauteuil-Theater Basel, in der Arena des Amphitheaters von Augst und im Kunsthaus Zürich, wo sie, vereint mit der SBG-Blasmusik zum Dixie Jamboree aufspielten. Zum eindrücklichsten Erlebnis aber wurde 1977 ihr silberenes Jubilee im altehrwürdigen Hirschensaal in Egg, wo fast alle ehemaligen Saints-Musiker nicht nur eingeladen, sondern die Geschichte ihrer Band auf die Bühne zauberten und mit ihrem vitalen Dixie-Jazz ihre Fans durch fünfundzwanzig Jahre “The Saints” jamten.


1983 kam Ruedi Bolleter für den rückengeplagten Albert Leemann, der nach einundzwanzig Jahren in den frühzeitigen Jazz-Ruhestand treten musste, mit Punch und neuen Ideen - nicht nur am Kontrabass - zu den “Heiligen” und nahm das Steuer des Saints-Dampfers fest in seine kräftigen Hände. Gleichzeitig wurde am Schlagzeug Jack Huber, der sechzehn Jahre lang Freud und Leid der Band geteilt hatte, von Dieter Walder abgelöst.

Ruedi Bolleter organisierte, schrieb, managte und liess seine Beziehungen spielen, dass den “Heiligen” ein unheiliger Wind um die Ohren blies. Er kreierte “Jazz im Du Théâtre”, “Jazz in der Börse”, organisierte Tourneen, managte Konzerte für Rotarier und Weight Watchers, für Jungbürger und Seeretter, für die Partei in der Uni und das Militär im Grand Hotel, für Sportbegeisterte am Swiss Cup und für Wagemutige im “Säntisblick” Eschlikon mit anschliessender Schlägerei. Er entführte jährlich die Band für ein lauschiges Frühsommerwochenende ins schöne Tessin, nach Ascona, ins Hotel Casa Berno, an die “Festa New Orleans Music”, wo “The Saints” - man schrieb das Jahr 1984 - bei ihrem Konzert vor dem “Al Faro” den abendlichen Verkehr total zum Erliegen brachten. Als weiteren Höhepunkt organisierte er mit Romeo Borbach zusammen das “Saints Jubilee 33 Years” auf der Au und schenkte der Band die Idee des neuen Saints-Logo auf prächtigem Fahnentuch.


1985 stieg am Himmel der “Heiligen” ein neuer Stern auf, Wim Dijkstra mit Namen. Er gab der Band als Sohn aus dem Tulpenland nicht nur den Touch der Internationalität, sondern überzeugte auch mit seinem professionellen Spiel am Schlagzeug und mit seiner brillanten Stimme als Jazzsänger. 1987 wurde Ruedi Bolleter von Jacky Weidmann abgelöst, einem versierten und wohlbekannten Bassisten aus der Zürcher Jazzszene.


In ihrer neuen Besetzung spielten “The Saints” während acht Jahren an unzähligen Anlässen, zu Wasser und zu Land, im Züribiet und am Zürifäscht, an der Berghochzeit im Wirzweli und am Bankettabend des Internationalen Aerztekongresses, im Jazzclub vor  fachkundigem Publikum und an jungen Hochzeiten. Jedes Jahr reisten sie ins Tessin, an die “Festa New Orleans Music” in Ascona, jedes Jahr - ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Band - swingten sie im zeitigen Frühjahr anlässlich der Zürcher Dixie-Metzgete im Kaufleutensaal zu den Sonntagsbrunches, dass der Kaffee brodelte und sich die Gipfeli bogen, und jedes Jahr jazzten sie im grauen November oder vorweihnachtlichen Dezember an ihrem Dixie-Jazz-Evening, ihrem Jahreskonzert: Im “Meilibach” am Zürichsee, im “Raben” Herrliberg, im jazzhistorischen Saal des “Restaurant Weisser Wind” in Zürich oder im vornehmen Hotel-Restaurant “Belvoir” Rüschlikon zur Freude ihrer Fans, mit bestem Dank an ihre treuen Fans.


Ende 1995 verliess der Bassist Jacky Weidmann, der sich mit seinem attraktiven und einfühlsamen Spiel für die Rhythmusgruppe und die Band wohl verdient gemacht hatte, The Saints , um - wie schon längere Zeit geplant - sein Glück und eine neue berufliche Herausforderung in Übersee zu finden. Seine Stelle übernahm Urs Kälin, ein jazzgeschulter Bassist der jüngeren Generation, der durch seine kreative Musikalität und seinen swingenden Drive bestach. 1999 verliess er die Band, um sich unabhängig seinen eigenen musikalischen Interessen widmen zu können. Für ihn konnte “The Saints” Rolf Cizmek gewinnen, ein musikalischer, swingender und routinierter Bassist, der die Anfänge der Zürcher Jazzszene bei den Tremble Kids mitgeprägt und sich in den letzten Jahren auch als Veranstalter und Organisator von Jazzkonzerten verdient gemacht hat.


Ende 2000 verliess nach einer orchesterinternen Krise der Drummer Wim Dijkstra die Band. Er hatte während langen fünfzehn Jahren The Saints Jazz Band durch seine Kreativität am Schlagzeug und  seine Gesangsinterpretationen bekannter Jazzsongs wesentlich mitgeprägt, sich aber auch durch seine Zuverlässigkeit und Kollegialität innerhalb der Band verdient gemacht. Glücklicherweise konnte für ihn Eugen Weber, ein in mehreren Musiksparten erfahrener und in der Zürcher Oberländer Jazzszene bekannter Drummer gewonnen werden, der sich in kurzer Zeit durch seine bescheidene und kooperative Art bestens in die Band integriert hat.


Im Jahre 2002 wurde The Saints Jazz Band fünfzigjährig und feierte ihr Golden Jubilee. Sie zählt damit zu den ältesten, stets aktiven Bands in der Zürcher Jazzszene, ja in der ganzen Schweiz. Auch der Pianist und Bandleader Romeo Borbach feierte ein seltenes Jubiläum, hatte er doch während vierzig Jahren die Band mit hundertfünfzig Arrangements und etwa gleich vielen frei gespielten Titeln musikalisch geführt, nicht zu vergessen sämtliche vorbereitende und administrative Arbeiten, die erledigt sein mussten.


Im Sommer 2010 musste Rolf Cizmek alters- und gesundheitshalber nach elf Jahren bei The Saints zurücktreten. Unvergessen bleibt seine Liebe zum Jazz, seine über Jahrzehnte aktive Gestaltung von wichtigen Jazzkonzerten. Während vielen Jahren organisierte er an seinem Wohnort  die  stimmigen  Dixieland-Matinées in der Alten Mühle. Für ihn konnte Rolf Winiger, ein ausgezeichneter Bassist aus der Zürcher Jazzszene, gewonnen werden.


Anfangs 2011 trat Hans Werffeli altershalber nach fünfunddreissig(!) Bandjahren als "Saint" zurück. Er hatte in all den Jahren die Bläsergruppe mit seiner feinfühligen Musikalität hervorragend ergänzt, war ein zuverlässiger und bescheidener Musiker, der sich in der Band sichtlich wohl gefühlt, sich stets für die Band engagiert hatte. Ernst Bigler, ein wohlbekannter Posaunist aus der Zürcher Old Time Jazz-Szene, wurde sein Nachfolger.


Im Sommer 2014 musste Jürg Maurer altershalber zurücktreten. Während über fünfzig Jahren(!!!) hat er Höhen und Tiefen, harte Probenarbeit und erfreuende Erlebnisse in The Saints Jazz Band erfahren, hat mit seinem geliebten Hobby, dem Swinging Dixieland, gelebt. Seine Musikalität und die vorzüglich technischen Fähigkeiten an der Klarinette, seine musikalische Hingabe, sein Denken, Fühlen und Arbeiten für das Wohl der Band während all dieser Jahre haben ihn zu einem wertvollen und zuverlässigen Bandmitglied gemacht. Für ihn konnte Paul Tantanini, langjähriger Präsident und musikalischer Leiter des Jazz-Clubs Bülach gewonnen werden.


Im Frühjahr 2016 erklärte Otto Andrae altershalber seinen Rücktritt aus The Saints Jazz Band. Damit verlieren The Saints einen exzellenten Musiker, der die Band seit 1963 mit seiner Musikalität, seiner einfühlsamen Improvisationsgabe, seiner Kreativität und seinem Engagement für die Band geprägt hat. Mit seiner instrumentalen Kenntnis war er stets ein Vorbild für seine Mitmusiker, spielte er doch auch das Flügelhorn und die Posaune. In der Schweizer Jazzszene war er ein gesuchter Trompeter und führte während all den Jahren auch seine eigenen Bands. Für ihn kam Paul Högger, ein sehr erfahrener Trompeter, der die Anfänge des Zürcher Jazzfestivals als Musiker erlebt und auch während Jahren seine eigene Band mit grossem Erfolge geführt hatte.


“The Saints” spielen einen swingenden Jazz, der durch ihre Musikerpersönlichkeiten geprägt wird. In ihrem vielseitigen Repertoire finden sich sowohl altbekannte Standards wie auch Tunes, die nicht an jeder Jazz-Ecke zu hören sind, finden sich Dixieland-Themen neben solchen aus der Swing- und Mainstream-Epoche. “The Saints” legen grossen Wert auf wohlklingende Arrangements, ohne jedoch die Freiheit zur Improvisation und die Spielfreude des einzelnen Musikers einzuengen. Immer wieder vermitteln sie  ihre Freude am Musizieren und Improvisieren ihren Zuhörern. Besondere Attraktionen bilden die Solo-Tunes von Paul Högger tp., Ernst Bigler tb., Paul R. Tantanini cl.sax. und Rolf Winiger b., die Schlagzeugsoli des Drummers Eugen Weber und natürlich auch die Boogie Woogies der Rhythmusgruppe mit dem Pianisten und Bandleader Romeo Borbach.


THE SAINTS JAZZ BAND 2012  -  Jubilee 60 Years

Kontakt für Engagements: Sextett-, Quintett-, Quartett- und Trioformation, Piano Solo

mailto: thesaints.jazzband@hispeed.ch


Romeo Borbach, Mythenweg 15, CH-8634 Hombrechtikon, 0041(0)55 244 19 77


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